250.000 Deutsche leben in der Schweiz. Jeden Monat wächst diese
Zahl um durchschnittlich 2.000.
Der Streit um Steuersünder-CDs und das Verhalten deutscher
Politiker macht ihnen das Leben nicht einfacher.
Die Schweizer Volkspartei macht Wahlkampf mit der Angst vor einer
„Invasion“ deutscher Fachkräfte.
Man könnte glauben, Deutsche haben es schwer im Heidiland.
Aber wie geht es den Deutschen in der Schweiz tatsächlich – welche
Erfahrungen machen sie im Alltag und mit den Schweizern? Was
bemerken sie von der Antipathie gegen Deutsche im Land? Wie ist
das Leben dort?
Diesen Fragen ist der Journalist Jörn Lacour nachgegangen. Für das
Buch „Deutsche in der Schweiz“ fand er 350 Interviewteilnehmer aus
allen sozialen und gesellschaftlichen Schichten: Studenten,
Unternehmer, Servicekräfte, Banker, Angestellte, Alleinerziehende,
Mediziner.
Eines ist allen gemeinsam: Sie sind Deutsche und leben in der
Schweiz. In 60 Portraits und Berichten entsteht ein Bild vom Leben in
der Schweiz, so wie es wirklich von den Deutschen erfahren wird:
Zum Beispiel wie ein Assistenzarzt lernt, dass es Leben retten kann,
wenn man im OP Mundart spricht, oder welche Bekanntschaft eine
junge Hotelfachfrau mit der Schweizer Gründlichkeit macht.
Man liest, weshalb der Schweizer im Konjunktiv spricht und eher
„würde“, während der Deutsche gleich „will“, warum Schweizerdeutsch
kein Dialekt ist und ob man es überhaupt lernen kann.
Die Deutschen erzählen vom feinen Unterschied zwischen Schweizer
Höflichkeit und Schweizer Freundlichkeit. Sie berichten von ihren
Erfahrungen mit den Kampagnen der Schweizer Volkspartei und
davon, dass sich manche Eidgenossen wohl eher dafür schämen.
Sie erzählen, wie sie mit der eigenen Firma in der Schweiz ihren Weg
gehen oder alleinerziehend den Spagat zwischen Schweizer
Familienpolitik und Leistung im Job versuchen.
Auch weshalb eine Reise nach Deutschland manchen Übersiedler
mittlerweile deprimiert und wie überraschend freundlich Behörden
sein können, lässt sich im Buch nachlesen.
Menschliches aus dem Alltag, wie die Erfahrungen einer Deutschen
Pfarrerin in Zürich, findet man ebenso wie Amüsantes, etwa die
Erklärung dafür, warum sich in der Schweiz niemand über „Natzi-
Hemden“ aufregt.
Ein Eindruck durchzieht das Buch wie ein roter Faden: Diese
Deutschen leben gerne in der Schweiz und mit den Schweizern. Auch
wenn das Leben in der Schweiz anders ist – oder vielleicht gerade
deshalb.
Für wen ist dieses Buch?
„Deutsche in der Schweiz“ ist ein Buch für Deutsche, die darüber
nachdenken, auf Zeit oder für länger in die Schweiz zu gehen. Der
Leser erfährt alles Nötige an praktischem Wissen für den Weg in die
Schweiz, wie etwa zu den Aufenthaltsbewilligungen, der
Krankenkasse oder dem Schweizer Schulsystem. Hauptsächlich aber
vermittelt das Buch echte Einblicke in den Alltag der bereits dort
lebenden Landsleute. Das Buch kann auch davor bewahren, direkt in
die klassischen Fallen zu laufen, mit denen sich nicht wenige
Übersiedler aus Unwissenheit als „arrogante Düütsche“ outen, kaum
dass sie dem ersten Schweizer begegnen.
„So ein Buch hätte ich mir gewünscht, als ich in die Schweiz ging!“ –
Interviewteilnehmer aus Zürich
Das Buch richtet sich aber auch an Schweizer, die nicht einfach
glauben wollen, was manche Medien und die SVP ihnen über die
Deutschen erzählen. Hier sind die „Düütschen“ keine arrogante
Masse, vor der man Angst haben muss. Das Buch zeigt, ob und wie
die Übersiedler ihre Antennen sensibilisieren für die Eigenheiten der
Schweizer.
Nicht zuletzt ist „Deutsche in der Schweiz“ auch ein Buch für jene, die
schon dort sind. Sie werden vermutlich manche eigenen Eindrücken
im Buch wiederfinden und merken, dass sie doch nicht so allein sind
mit ihren Erfahrungen im „Heidiland“.
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Sebastian Thormann ist noch nicht lange Assistenzarzt im Luzerner Kantonsspital, als er in den Schockraum gerufen wird. Der Patient ist ein verunglückter Mann aus den Bergen. Er scheint bewusstlos. Der Schwerverletzte atmet nicht mehr. Thormann spricht auf ihn ein. „Sie müssen Luft holen. Tief Luft holen …“ Keine Regung des Schweizers.
Der Arzt wird lauter: „Luft holen, sie müssen atmen!“ aber der Mann reagiert nicht. Erst als Thormann verzweifelt ruft: „Schnufa, feste schnufa“, atmet der Schweizer tief ein. Thormann ist erleichtert. Und angekommen. Neben diesem außergewöhnlichen Erlebnis sind es die positiven Ereignisse, die überwiegen, fragt man Sebastian Thormann nach der Akzeptanz, die ihm von den Schweizer Patienten entgegengebracht wird. Vieles hängt vom eigenen Auftreten ab, ist sich der Dortmunder sicher. „Viele fragen, wenn sie merken, dass man Deutscher ist, ob man auch Schwitzerdütsch versteht.“
Gott hat keine Grenzen gezogen, S. 43
„Wir haben alles in Hamburg gelassen, nur die Katze kam mit.
Dadurch entstand eine mentale Distanz zu Deutschland, mit der
ich vielleicht ermessen kann, wie man sich dort als Ausländer
fühlen würde. Auch in der Schweiz gibt es
Ausländerfeindlichkeit, wie in jedem Land. Mir begegnen die
meisten Schweizer außerordentlich nett und freundlich. Unsere
Sprache, nun, was sollen wir machen, es ist uns so angeboren.
Man kann von der Sprachmelodie nicht auf menschliche
Eigenschaften schließen. Schweizer sind auch nicht alle
niedlich, nur weil ihre Sprache so klingt. “
Von der Ostsee ins Tessin, S.49
„Aus mir nicht ersichtlichen Gründen gibt es in der Schweiz
einfach mehr Zeit. Morgens, auf dem Weg vom Kindergarten
zum Büro, überquere ich die Piazza unseres Ortes. In der Bar
dort trifft sich immer ein ganzer Pulk von Müttern zu Espresso
und Palaver. Oft werde ich gefragt, ob ich nicht mitmachen
möchte. Ich habe dazu leider fast nie Zeit (meine ich) und sage
dann, dass meine Arbeit gleich anfängt. Total verständnislose
Blicke aus 15 Augenpaaren sind die Folge. Der leicht hektische
Blick, das gestresste Zucken der Gesichtsmuskeln, der rastlose
Gang – das gehört in Deutschland zum erfolgreichen
Menschen. Man kann von weitem sehen: ,Seht her – ich bin
gestresst, ergo bin ich erfolgreich!‘ Damit kommt man hier nicht
weit!“
Der Schweizer Konjunktiv, S.56
Während ein Verkaufsgespräch an einem Kiosk in Hannover mit
den einfachen Sätzen „Ne Bild und zwei Luckys Filter“ - „9 Euro
80“ – „Bitte“ – „Danke“ – „Tschüss“ erledigt wäre, nimmt sich der
Schweizer dafür wesentlich mehr Zeit. Und das geht etwa so:
„Grüezi“ – „Grüezi, was darf es sein?“ – „Haben Sie den Blick?“
– „Ja, hier bitte!“, kurze Pause, „Darf es sonst noch etwas sein?“
– „Ja, gerne, haben Sie Luckys mit Filter?“ – „Ja, wie viele
möchten Sie?“ – „Könnte ich zwei Schachteln haben?“ –
„Gerne, hier bitte, sonst noch etwas?“ – „Nein, danke, das wäre
alles“ – „Das macht dann 15 Franken“ – „Könnte ich Ihnen einen
50er geben?“ – „Kein Problem, darf es eine Tüte sein?“ – „Sehr
freundlich, danke!“ – „Dann noch ein schönes Wochenende!“ –
„Danke, Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende!“ – „Danke,
auf Wiedersehen!“ – „Auf Wiedersehen!“ Der Schweizer Kunde
fällt niemals mit der Tür ins Haus. Nach der Begrüßung gibt er
dem Gegenüber zunächst Gelegenheit, den Gruß zu erwidern.
Er gibt dem Verkäufer die Chance, zu fragen, was der für ihn
tun kann. Dann erkundigt er sich, ob der Zeitungsverkäufer
auch tatsächlich die Zeitung hat, die er möchte – selbst wenn
sie unübersehbar vor seiner Nase liegt. Und um den Verkäufer
keinesfalls zu verwirren, wird jedes Teil seiner Wunschliste
einzeln abgearbeitet. Immer schön der Reihe nach. Ist man
komplett, wünscht man ihm noch einen schönen Tag, schönen
Abend oder schönes Wochenende – natürlich nicht ohne
dessen Erwiderung abzuwarten, bevor man sich verabschiedet.
Und selbst wenn der Kunde seine Zeitung seit Jahren jeden Tag
dort kauft, wird dieses Ritual genauso ablaufen. Ob es den
beiden wirklich daran gelegen ist, dass der Andere ein schönes
Wochenende hat, muss man nicht so ernst nehmen. Darum
geht es nicht. Es geht um das Ritual. Das, was hängen bleibt,
ist ein freundlicheres Miteinander im Alltag, egal wie verregnet
der Dienstagmorgen ist oder ob man mit dem falschen Fuß
aufgestanden ist. Man könnte es auch praktizierte
Lebensqualität nennen.
Unaufdringliches Nebeneinander, S.59
„Als ich in meine neue Wohnung zog, wollte ich mich bei meinen
Nachbarn vorstellen, aber niemand öffnete mir die Tür. Hätte ich
das schriftlich machen sollen? Ein Nachbar beschwerte sich
nach einer Party schriftlich (via Briefkasten) bei mir, es sei so
laut gewesen. Warum hat er nicht an der Tür geklopft?“
Gegenfrage: Wie hat die Lüneburgerin sich auf die Schweizer
vorbereitet? „Ich habe unter anderem ,Die Schweiz für
Deutsche‘ und ,Kulturschock Schweiz‘ gelesen. Das klang alles
schon sehr fremd für mich als Norddeutsche. Ich habe dann
gedacht: ,Na, die übertreiben doch, diese Klischees, das kennt
man ja‘ – aber vieles davon ist doch nah an der Realität, z. B.
das völlig andere Kommunikationsverhalten.“ Katrin Neumann
beschreibt, was ihr in der Schweiz fehlt: „Die ungehemmte Art
der Berliner oder der Bayern, fremde Leute von der Seite
anzuquatschen oder in der Kneipe Freundschaft zu schließen.
Die blöden Sprüche der Norddeutschen. Die klaren Ansagen.
Die direkte Kommunikation. Das hemmungslose Ausbreiten
seines Privatlebens am Handy in einer vollbesetzten Berliner UBahn
und die Kommentare der Mitreisenden“, sagt sie lachend.
So mancher Andere würde die Schweiz für diese Defizite lieben!
Mittendrin mit Blick von Außen, S. 66
Heute arbeitet Anne-Carolin Hopmann als Pfarrerin der
evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich. Auf der Kanzel
spricht sie Hochdeutsch. Wie begegnen ihr die
Gemeindemitglieder? „Der Ruf, dass ich endlich Mundart
sprechen solle, hält sich mit der Aufmunterung, mein
Hochdeutsch beizubehalten, die Waage. Durch mein Amt
komme ich mit vielen Schweizern sehr einfach in Kontakt. In
den zurückliegenden Jahren wurde ich im Amt erst dreimal
wegen meiner Nationalität abgewiesen. Aber auch als Pfarrerin
merke ich: Ironie kommt meist schlecht an. Die forsche Art, die
in der eigenen Persönlichkeit liegt, und die Geschwindigkeit im
Reden, Denken und Handeln stößt immer wieder auf
Befremden bis hin zu Äußerungen ,Ihr Deutschen seid einfach
zu schnell‘. Sehr häufig und manchmal vorwurfsvoll wird ein
Minderwertigkeitsgefühl formuliert: ,Wir Schweizer können halt
nicht so schön reden.‘ Im Gegenzug wird aber auch betont, wie
sehr ein klares und gepflegtes Hochdeutsch geschätzt wird.
Dieses Thema begleitet mich in meinem ,sprechenden‘ Beruf,
seit ich in der Schweiz bin. Jedoch: Die positive Zuwendung
überwiegt bei Weitem.
Gar nicht einfach, S.68
Weder durch die Schulpflege noch über meinen Arbeitgeber
wusste ich, dass ‚Ganztagesschule‘ in Zürich bedeutet, dass
zwei Nachmittage pro Woche schulfrei sind, dass der Unterricht
an den verbleibenden drei Nachmittagen bereits um 15:25 Uhr
endet und dass die Mitteilung ‚schwierig‘ so viel wie ‚unmöglich‘
bedeutet. Dazu kommt nicht nur, dass die allgemeine
Betreuungssituation in der Schweiz genauso katastrophal ist,
wie in Deutschland sondern vor allem auch, dass die Schweizer
Mami scheinbar zu Hause bei ihren Kindern ist und nicht
arbeitet. Schon gar nicht in Vollzeit. Alleinerziehende haben in
der Schweiz keine Lobby. Gleichstellungsbeauftragte oder
dergleichen? Fehlanzeige. Frauenfragen gibt es nicht in der
Schweiz. Daher können sie auch gar nicht diskutiert werden.“
Mögen Schweizer uns nicht?, S.82
„Das mit der ,Anti-Deutsch-Stimmung‘ in der Schweiz bekomme
ich nur durch die Medien mit. Und wenn dann in der nächsten
Wintersportsaison die reichen Deutschen in Zermatt ausbleiben,
kriegen wieder alle, die trotzdem kommen, einen Riegel
Toblerone geschenkt. Ich bin da ganz gelassen, denn auch hier
wird nichts so heiß gegessen. In zwei Monaten ist das alles
vergessen und der ‚Blick‘ schreibt wieder über UFOs.“
Deutsche mit Natzi-Hemden, S.92
„Lustig war ein Schweizer Radiomoderator während des
Viertelfinalspiels Portugal–Deutschland. Der moderierte in etwa
so: ,Ja, meine Damen und Herren, es sind bereits tausende
Deutsche mit ihren Natzi-Hemden über die Grenze zu uns nach
Basel gekommen …‘ – Da hat man sich erstmal erschrocken!“
Was sich zunächst anhört wie der Einmarsch von Deutschen in
Braunen Hemden, ist jedoch ganz harmlos: Die Schweizer
nennen ihre Nationalmannschaft gern auch ihre „Natzi“. Eine
simple Abkürzung und praktisch für den Schlachtruf „Schwiizer
Natzi olé, olé“, wobei das komplette Wort Nationalmannschaft
da eher die Gesangsmelodie verfärben würde. So haben also
auch „tausend Deutsche mit ihren Natzi-Hemden“ nichts mit
dem braunen Herrn aus Österreich zu tun, sondern schlicht mit
Fußball.
Schneller und Flexibler, S. 154
„Vor allem die sehr hohen Ansprüche hier haben mich
weitergebracht. Unter der Kuschelpädagogik der Schulen in
Deutschland hatte ich bis dahin eher gelitten. Das Niveau der
ETH zeigt sich auch in der Studiendauer. Als ich anfing, waren
es in Deutschland im Durchschnitt 14 Semester bis zum Diplom
in Chemie. An der ETH schafft man es in neun Semestern.“ Für
Lehmann bedeutete das konkret, dass er in einem Alter, in dem
die meisten Deutschen ihr Studium erst abließen, bereits zwei
Masterabschlüsse samt Berufserfahrung vorweisen konnte. Er
ist in der Schweiz geblieben. Nach den Gründen gefragt,
sprudelt es aus ihm heraus: „In Deutschland hätte ich als
Chemiker ohne Promotion gar keine Chance. Hier ist es
einfacher und unbürokratischer. Man schaut mehr auf das Profil
des Kandidaten, nicht so sehr auf Abschlüsse.“ Der Weg zum
Studium in die Schweiz ist für ihn, wie es scheint, zum One-
Way-Ticket geworden. „Eine Rückkehr nach Deutschland, das
wäre, als wenn ein Republikflüchtling freiwillig wieder in die
DDR zurückgekehrt wäre. Außerdem ist meine Partnerin
Juristin. Sie hätte in Deutschland wenige Möglichkeiten.“ Auch
mit der deutschen Bundeswehr musste er sich nicht mehr
rumärgern. „Ich bin Fahnenflüchtling“, schmunzelt Lehmann.
Der Grund? „Die ETH war mit der Studienbestätigung eben
schneller als die Bundeswehr mit dem Einberufungsbescheid!“
Vrschdon Sia mi?, S.160
Was dann geschah, beschreibt Maier heute als Sinnkrise. Er
begleitete seine Frau, Deutsche Lehrerin in der Schweiz,
während eines Ausflugs der Schulbehörde. „Diese
Veranstaltung verlangte mir eine mehrstündige Dauerleistung
an Konzentration ab. Ich traf auf 24 Menschen, von denen ich
zwanzig nie vorher gesehen hatte und denen ich wohl auch
künftig kaum mehr begegnen würde, und musste jeden mit
Handschlag begrüßen. Schon beim dritten Handschlag, spürte
ich Panik, weil ich mit Sicherheit keinen der Vornamen mehr
den Händen zuordnen konnte, wenn die letzte Hand geschüttelt
war. Und ich wusste, in Kürze würde ich alle Vornamen wieder
brauchen, wenn ich beim Apéro vor dem ersten Schluck mit
jedem anstoßen und dabei pflichtgemäß ,Prost Reto, Prost
Karin, Prost Beat, Prost ...‘ sagen musste. Die Schweizer
können das. Die kennen sich alle mit Vornamen. Ich würde das
nie können und würde deshalb immer nur höflich behandelt
werden. Das war für mich die erste unüberwindbare Grenze, die
den Schweizer vom Nichtschweizer auf Lebzeiten trennt“,
beschreibt der gestandene Schulleiter seine Erfahrung.
Einstimmig für die Schweiz, S.91
Mein Aha-Erlebnis bezüglich des Schweizer Way-of-Live war
das Einkaufen im Supermarkt: Als Deutscher ist man gewohnt,
hier ziemlich hektisch vorzugehen. Alles schnell aufs Band,
dann schnell den Einkaufswagen wieder füllen, parallel dazu
bezahlen und nichts wie aus dem Weg. In der Schweiz geht das
viel ruhiger zu, egal wie lang die Schlange an der Kasse ist.
Gemütlich aufs Band, dann in Ruhe einpacken, ein Plausch mit
der Kassiererin und dann zahlen. Sehr entspannt. Das hat mich
Deutschen zu Beginn richtig rasend gemacht. Heute stört mich
dagegen die Hektik in Deutschland. Autofahren ist purer Stress
und Einkaufen macht mir dort überhaupt keinen Spaß mehr.“
Schweizer werden?, S. 193
„Ich liebe die Schweiz und das System. Auch Deutschland hat
seine schönen Seiten, aber die politische Entwicklung macht mir
Sorgen. Der Bürger wird von einem immer größeren
Staatsapparat kontrolliert, überwacht und ausgepresst. In der
Schweiz hat der Bürger das letzte Wort und kann unter
Umständen sogar eine Gesetzesänderung veranlassen. Das
System ist hier ausgewogener. Nicht nur Firmen, sondern auch
die Gemeinden und Kantone unterliegen einem gesunden
Wettbewerb. Ein Leben in Deutschland ist für mich mittlerweile
unvorstellbar. Ich käme mir politisch bevormundet, wirtschaftlich
ausgebeutet und vom Staat kontrolliert vor.“
Mögen Schweizer uns nicht?, S.83
„Eine kleine Anekdote, die ich auch sehr gerne in einer Runde
von Schweizern zum Besten gebe: 2006 lud meine Firma zu
einer Partnerveranstaltung ein. Nach dem Vortrag eröffneten wir
das Buffet und danach schauten wir über TV das Spiel Schweiz
vs. Brasilien an. Aus diesem Anlass trugen wir T-Shirts, die wie
Fußballtrikots aussahen. Auf dem Rücken den Namen Schweiz
und die Nummer 1. Natürlich habe auch ich mir ein solches TShirt
angelegt und war rein äußerlich nicht direkt als Deutscher
zu erkennen. Am Buffet stieß dann ein Handelspartner zu mir,
der mich wohl noch nicht kannte. Als er neben mir stand, sagte
er wichtig: ,Muasch di beile, bfor die Dütsche chomme‘ (Beil
dich, bevor die Deutschen kommen). Ich sah ihn erstaunt an
und antwortete: ,Dann gib mal Gas, ich bin schon da.‘“
herunter.